Honigbiene oder doch eine Wildbiene, wer fliegt da? 

 

Fangen wir mal ganz von vorne an, es gibt auf der Welt 9 Bienenarten, davon lebt aber nur eine bei uns in Europa, die anderen 8 Arten kommen hauptsächlich in Asien vor. 

Die bei uns in Europa vorkommende Art ist die westliche Honigbiene (Apis mellifera), daraus entstanden im Laufe der Zeit verschiedene Unterarten z.B. (Apis mellifera ligustica, Apis mellifera mellifera, Apis mellifera iberica, Apis mellifera intermissa, Apis mellifera major, Apis mellifera sicula) u.v.m. Zusätzlich gibt es aber auch noch sogenannte Kunstrassen der Honigbienen, wie mich die Buckfastbiene, aber dazu habe ich bereits in meinem kleinen Lexikon einen Bericht geschrieben. Eigentlich läuft es bei uns Honigbienen bis auf ein paar kleine Unterschiede ziemlich gleich ab. 

Also erzähle ich mal ein bisschen wie es bei uns Zuhause so zugeht: Wir Honigbienen leben in einem Volk, das bis zu 60.000 Mitglieder zählt, dieses wird auch “Der Bien” genannt und besteht aus 3 verschiedenen Bienenwesen. 

Als erstes unsere Mutter, die Königin, die an einem Tag zwischen 1500 und 2500 Eier in die von den Arbeiterinnen vorbereiteten Wabenzellen legt. Jede Zelle wird von der Königin mit den Fühlern ausgemessen, um dann in die kleineren Zellen, durch öffnen der Samenblase ein befruchtetes Ei zu legen, das zur Arbeiterin heranreift. In die größeren Zellen legt sie ein unbefruchtetes Ei, das dann zu einer männlichen Biene (Drohn) heranreift. Solche männlichen Bienen gibt bei uns im Volk ca. ein Drittel (ca. 15000), deren Hauptlebenszweck die Befruchtung junger Königinnen, von Mitte April bis Juli ist, danach werden alle Drohnen aus dem Stock geworfen, die sogenannte Drohnenschlacht. Dann gibt es noch die Arbeiterin wir mich, die wie schon der Name sagt die anfallenden Arbeiten im Bienenvolk erledigt, wie z.B. Ammenbienen, Baubienen, Stockbienen, Wächterbienen, Flugbienen (Sammelbienen) und Spurbienen, auch das Anlegen von Honigvorräten gehört hier mit dazu.  

Bei meinen wilden Schwestern den sogenannten Wildbienen läuft da einiges ein bisschen anders und auch total unterschiedlich. 

Es gibt in Deutschland mehr als 560 Wildbienenarten und mehr als die Hälfte dieser ist vom Aussterben bedroht, weil sie entweder nicht die richtigen Nistmöglichkeiten oder nicht die richtigen Nahrungspflanzen finden. 

Viele Wildbienenarten leben in Bodenhöhlen von anderen Insekten. Durch das immer größer werdende Insektensterben, ausgelöst durch Monokulturen oder Pestiziden, die in Gärten und Grünflächen oder in der Land- und Forstwirtschaft ausgebracht werden, finden die Wildbienen immer weniger Nistmöglichkeiten, wenn sie nicht selbst von den Pestiziden betroffen sind. Zudem gibt es kaum noch Totholzplätze an denen morsches Holz oder hohle Pflanzenstängel zu finden sind, welche auch gerne von meinen wilden Schwestern zum Nisten genutzt werden. Auch die steigende Bodenverdichtung in vielen Bereichen und der Klimawandel der immer extremeren Wettern führt bringt seinen Teil dazu, so haben wir immer heißere Sommer oder Regenperioden die sogar den Nektarfluss der Pflanzen versiegen lassen. Da sich aber viele Wildbienen auf einzelne Pflanzenfamilien als Nahrungsquelle spezialisiert haben, diese nennt man Oligolektie, geht die Spezialisierung noch weiter, da nur noch eine Pflanzenfamilie oder eine Gattung angeflogen wird, spricht man von monolektischen Verhalten, aber es sind nicht alle Wildbienen so extrem und ernähren sich von mehreren Pflanzenfamilien, wie z.B. Korbblütlern oder Lippenblütlern, daher ist der Bestand dieser Wildbienen meist nicht so gefährdet wie der erstgenannten. Reduziert sich also die Pflanzenvielfalt, können Wildbienen und andere Insekten nicht genügend Nahrung finden, spezialisierte Arten können daher nicht auf andere Arten der Pflanzen ausweichen, somit sind sie auf ein bestimmtes Pflanzenangebot angewiesen. Schätzungen zufolge sind ca. 30% der in Deutschland vorkommenden Wildbienen oligolektisch. 

So nun aber genug vom Speiseplan meiner wilden Schwestern. Nun erzähle ich euch wie sie so leben.  

Die meisten von ihnen leben wie schon gesagt in Röhren aller Art, ob Pflanzenstengel, Holzröhren, Bodenröhren oder auch von Menschen, netterweise aufgehängt. Sogenannte Bienenhotels, die nicht viel Platz brauchen und an fast jeden Menschen-Zuhause ein Plätzchen finden, aber bitte denken Sie daran, wer ein Hotel hat sollte auch das Restaurant eröffnen!!! Ein paar Wildbienenfreundliche Pflanzen passen in jeden Vorgarten oder Balkon. 

Doch mit dem Aussehen ist es lange nicht so einheitlich wie bei uns Honigbienen, denn das Aussehen kann von rein schwarz über gelb-schwarz über weiß-schwarz bis rötlichen braun variieren, wie bei der rostroten Mauerbiene. Sowohl das Pelzkleid reicht von sehr dicht bis fast nicht vorhanden, als auch die Größe variiert sehr stark, eine der kleinsten ist die Sand-Steppenbiene (Nomioides minutissimus) mit ungefähr 4mm, ein echter Winzling, eine der Größten ist die Hummelkönigin mit knapp 3cm oder eine der Beeindruckendsten ist die große Holzbiene (Xylocopa violacea) mit ca. 28mm.  

Auch das Brutgeschäft läuft bei den Wildbienen anders als bei uns Honigbienen, wir ziehen unseren Nachwuchs mit viel Pflege in Waben auf bis zu Verdeckelung der Zellen, da wir sehr viele sind, aber die Wildbienen mache das alles alleine, da sie sogenannte Solitärbienen sind legen sie in ihren Brutröhren ein Ei, dann Futtervorrat, dann wieder ein Ei und wieder Futtervorrat usw. Bis die Röhre voll ist. Sie legen auch keine Honigvorräte an, so wie wir, sie fressen den Nektar gleich auf und verbrauchen diesen als Energie zum Leben. 

Die Menschen sprechen immer von Bestäubungsleistung, aber dafür sind weder wir Honigbienen noch die Wildbienen allein zuständig, denn an der Bestäubung der Pflanzen in der Natur sind Honigbienen, Wildbienen, Fliegen und noch viele andere Insekten beteiligt, da sie zu verschiedenen Zeiten aufstehen und ihre Arbeit beginnen. 

Aber eines hätte ich fast vergessen, euch ein paar meiner wilden Schwestern auch einzeln vorzustellen: 

Honigbiene (Buckfastbiene)

Steinhummel

rostrote Mauerbiene bei der Paarung

dunkle Erdhummel

blaue Holzbiene

Wegwarten-Hosenbiene (männlich)

Wiesenhummel, kleine Waldhummel

Aber zum Schluss möchte ich noch eins sagen. 
DIE HONIGBIENE MUSS NICHT GERETTET WERDEN, DIE WILDBIENE ABER SEHR DRINGEND! 
Auf bald eure Bucky Bee.